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Orange Days 2024

Straßenbahn setzt Zeichen

zur Beendigung gegen Gewalt an Frauen

Seit rund einem Jahr fährt in Kassel auf allen Linien die auffällige Straßenbahn mit dem klaren Statement „Stoppt Gewalt gegen Frauen“ auf Initiative der Soroptimistinnen (SI), Club Kassel-Elisabeth Selbert. Damit wird ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt, dass es sich bei Gewalt gegen Frauen und Mädchen um eine Menschenrechtsverletzung handelt, die alle in unserer Gesellschaft angeht und keine Privatsache ist.

Nunmehr hat der SI-Club Kassel-Elisabeth Selbert anlässlich des Orange Days zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von maßgeblichen Vereinen und Institutionen der Region Kassel zu einer Sonderfahrt am 25.11. eingeladen, um mit ihnen der Frage nachzugehen, was es noch in unserer Region braucht, um die Situation von betroffenen Frauen und Mädchen zu verbessern und insbesondere weitere Präventionsangebote zu schaffen.

Dies ist umso wichtiger, da Partnerschaftsgewalt in Deutschland auch im letzten Jahr wieder zugenommen hat: Alle 4 Minuten erlebt eine Frau Gewalt in ihrer Partnerschaft und 155 Frauen wurden im Jahr 2023 durch ihren aktuellen Partner oder durch ihren Ex-Partner getötet – fast jeden zweiten Tag endet also Partnerschaftsgewalt durch die Tötung der Frau.

Expertinnen und Experten diskutieren im Rahmen einer Sonderfahrt

Terhas Andezion vom SI-Club Kassel-Elisabeth Selbert begrüßte die Fahrgäste der voll besetzten Straßenbahn und machte deutlich, dass die große Anzahl und die positive Resonanz der vertretenen Vereine, Verbände und öffentlichen Institutionen Mut mache, aber angesichts der steigenden Zahlen weitere wirksame Hilfen in allen gesellschaftlichen Bereichen notwendig seien.

Dies unterstrich auch Polizeipräsident Konrad Stelzenbach. „Gemeinsam sicher in Hessen – konsequent gegen Gewalt – bedeutet gesamtgesellschaftlich  hinsehen, konsequent vorgehen und den Betroffenen die notwendige Hilfe zu vermitteln“.

Ergänzend konstatierte Silke Engler, Vize-Landrätin des Landkreises Kassel, „es ist beschämend, dass wir in unserer Gesellschaft immer noch die Orange Days nutzen müssen, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Es braucht den Willen und die Anstrengung aller, für eine Veränderung zu sorgen und vor allem präventiv zu wirken.“

Insbesondere die Vertreterinnen der Frauenhäuser von Stadt und Landkreis Kassel sowie der Beratungsstellen, die tagtäglich mit Misshandlungen und Gewalt gegen Frauen zu tun haben, machten deutlich, wie überbelegt die Einrichtungen sind und es dringend eines Ausbaus des Hilfesystems bedarf. So appellierte Irmes Schwager vom Frauenhaus Kassel, „die Realisierung von Zugang zu Schutz und Unterstützung für alle gewaltbetroffenen Frauen und deren Kinder muss gerade jetzt unbedingte Priorität haben. Alle politischen Ebenen müssen dafür an einem Strang ziehen.“

Unterstützt wird die Initiative des SI-Clubs Kassel-Elisabeth Selbert maßgeblich durch die Kasseler Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft mbH. So werden nun auch bis zum 10. Dezember in allen 40 Straßenbahnen Informationsflyer der Soroptimistinnen ausliegen, um auf die Hilfemöglichkeiten für betroffene Frauen hinzuweisen. Unternehmenssprecherin Ute Orgir betonte abschließend,

geschlechterspezifische Gewalt muss enden – daran erinnert die Orange Tram mit ihrer Präsenz und Sichtbarkeit. Heute, morgen und in Zukunft.“

Die Soroptimistinnen des Clubs Kassel-Elisabeth Selbert werden ferner durch die Initiative OFFEN FÜR VIELFALT, dem Antidiskriminierungs-Netzwerk Nordhessen (AdiNet), dem SI-Club Kassel-Bad Wilhelmshöhe und dem SI-Club Kurhessen-Waldeck unterstützt.

Fotos: Ulf Schaumlöffel